Schenken, eine Freude für Empfänger und Geber
Dienstag 15. Juni 2010 von Jürgen Gräbel
In letzter Zeit, ist in unserem Bekanntenkreis und auch in unserer weiteren Familie, immer wieder zu beobachten, dass die Leute untereinander verabreden, sich nichts mehr zu schenken.
Die Begründung dafür ist, dass man von allem schon genug habe und nichts mehr brauche.
Ich weiß natürlich nicht, wie Sie das sehen, aber ich finde diese Entwicklung sehr bedauerlich, denn sie nimmt uns ein Stück der Verbindung zueinander.
Ich denke, Geschenke sind immer auch ein Gedächtnis-Anker für die Momente, an oder, zu denen das Geschenk überreicht wurde. So denken wir, beispielsweise, immer wieder an Personen, die zum Teil längst verstorben sind, wenn wir Geschenke in die Hand nehmen, die wir vor über 36 Jahren zur Hochzeit oder vor über 40 Jahren, zur Verlobung erhalten haben.
Auf Geschenke zu verzichten, drückt für mich, in gewissem Sinne eine Phantasielosigkeit aus, die auch eine gewisse Gleichgültigkeit untereinander bedeutet.
Ich für mich, erhalte sehr gerne Geschenke
Damit meine ich aber Geschenke, bei denen sich der Schenkende etwas gedacht hat und von denen er annimmt, dass sie mir Freude machen.
Dagegen mag ich überhaupt keine Geschenke, die absolut überflüssig sind. So spiele ich zum Beispiel seit vielen Jahren Golf und habe anfangs eine ganze Reihe von Nonsens-Büchern über das Golfspiel erhalten. Da ich diese Art von Humor nicht teile, waren sie für mich wirklich Nonsens.
Die Bücher stehen ungelesen im Regal und sind, meines Erachtens, das Geld und den Platz nicht wert, den sie verbrauchen.
Ich denke, dass wenn man sich bereits eine längere Zeit kennt, dann weiß man, worüber sich jemand freuen würde und kann es sich für den Fall der Fälle notieren.
So mache ich das. Wenn in einer Unterhaltung ein Wunsch geäußert wird, dann notiere ich mir das. So entsteht, teilweise schon im Frühjahr, die Geschenkidee für Weihnachten.
Die Kunst des Schenkens liegt meines Erachtens darin, anderen Menschen etwas zu geben, was er sich selbst nicht kaufen kann oder nicht kaufen würde. Dabei kommt es überhaupt nicht auf den materiellen Wert an.
Im Gegenteil, immaterielle Geschenke wie Zeit, Freude, Zuwendung, Lachen, Liebe, Harmonie etc., können die Wertvollsten überhaupt sein.
Durch Schenken bringen wir zum Ausdruck, was uns der Beschenkte tatsächlich wert ist. Wenn wir uns im Vorhinein keine Gedanken darüber machen, was der Beschenkte über das Geschenk denkt, dann brauchen wir uns auch nicht zu wundern, wenn der Beschenkte sich im Nachhinein auch keine Gedanken darüber macht.
Er stellt es in die Ecke oder schenkt es weiter. Peinlich wird es dann nur, wenn der Gegenstand irgendwann beim Erstschenker wieder ankommt.
Das Wort Schenken hat seine ursprüngliche Bedeutung daher, dass man jemandem etwas einschenkt, um seinen Durst zu stillen, oder das Wort Mundschenk. Sehr gebräuchlich ist dieser Zusammenhang in der Tat heute noch, wenn wir jemandem ein Glas Wasser einschenken.
Das Geheimnis des Schenkens liegt meines Erachtens nicht darin, Besitz zu mehren, sondern im Geben. Wer andere durch sein Geschenk glücklich macht, wird selbst glücklich. Das, was man gibt, kommt vielfach auf den Schenkenden zurück.
Deshalb finde ich die Geschenkidee, Zeit zu schenken, auch etwas sehr wertvolles. Weil freie Zeit ist etwas, was heutzutage wirklich für viele knapp ist.
Ein sehr schönes Geburtstagsgeschenk, das ich vor Jahren von meinem Sohn erhalten habe ist beispielsweise, dass er mit mir, einmal pro Jahr, eine Woche wandert. Diese Zeit ist für uns beide ein bedeutungsvolles Geschenk.
Heutzutage haben viele Freunde und Bekannte wirklich kein Verlangen mehr nach zusätzlichen Gegenständen für den Haushalt, nach Süßigkeiten oder Spirituosen.
Jedoch nach Zuwendung, Zuhören, Zuneigung dürsten fast alle.
Wäre das nicht auch eine Geschenkidee für Sie?
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